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title: Der Schluss
project: Wissenschaftliches Arbeiten - Eine Einführung
topic: Themenbereich 2 - Strukturierung wissenschaftlicher Arbeiten
author: Institut für Wirtschaftsinformatik - Communications Engineering
contributors: Stefan Oppl, Magdalena Lengauer, Catharina Hehn, Klaus Brandner
contact: stefan.oppl@jku.at
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videolink: https://www.youtube.com/watch?v=_vzDRPiwmQA
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- handout.pdf
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# Der Schluss
[Video](https://www.youtube.com/watch?v=_vzDRPiwmQA){for-image=false}
Das Schlusskapitel gehört – wie die Einleitung – zu den fixen Bestandteilen einer wissenschaftlichen Arbeit. Im Wesentlichen sollen in diesem Kapitel die wichtigsten Ergebnisse aus dem Hauptteil zusammengefasst werden. Zusätzlich können Limitationen angeführt werden, um zu zeigen, was im Arbeitsprozess anders gemacht hätte werden sollen. Im letzten Abschnitt können noch offene Fragen diskutiert werden, an denen zukünftige Arbeiten anknüpfen können.
Oehlrich (2019, S.101f) merken an, dass der Schlussteil teilweise eine Wiederholung des bereits Geschriebenem abbildet, und dadurch viele Betreuer von wissenschaftlichen Arbeiten den Schlussteil bzw. die Zusammenfassung verbieten. Gleichzeitig hebt er jedoch vier Merkmale hervor, die für die Verfassung eines Schlussteiles sprechen:
1. Durch das Schreiben einer kompakten Zusammenfassung, muss man die Struktur und den Inhalt nochmal beleuchten, was eventuell zu Verbesserungen führt. Gleichzeitig verinnerlicht man die Zielsetzung und man kann diese auch noch abändern bzw. erweitern.
2. Im Schlussteil wird die eigene Arbeit auch selbst kritisch hinterfragt was darlegt, dass der Autor auch Schwächen und Restriktionen erkennt.
3. Besonders bei Prüfungsarbeiten ist es oft der Fall, dass aufgrund von limitierten Zeitvorgaben ein Thema nicht vollumfänglich behandelt werden kann bzw. die Zielsetzung eingegrenzt werden muss. Im Schlussteil können Verbesserungen diskutiert und Vorgehen präsentiert werden, die eine weitergehende Behandlung des Themas ermöglichen.
4. Leser, die sich nicht die ganze Arbeit durchlesen wollen, finden im Schlussteil viele Punkte, die einen guten Überblick über die Arbeit verschaffen und auch die gewonnen Ergebnisse umfassen.
Konkret gliedert sich der Schluss, oder das Schlusskapitel, in Diskussion und meist einer Conclusio.
## Diskussion
Die Diskussion dient primär dazu, die gewonnenen Ergebnisse zu deuten und die gewählten Methoden und Ansätze zu bewerten. Außerdem können Vorschläge, für eine weiterführende Behandlung des Themas eingebracht werden. Einleitend werden zumeist nochmal die Forschungsfrage/n aufgegriffen, oder die Hypothese dargelegt. Danach werden die Arbeit und bereits bestehende Werke gegenübergestellt und dabei auf Gemeinsamkeiten und Differenzen aufmerksam gemacht. Auch die Gültigkeit der Arbeit, insbesondere in Bezug auf die gewählten Methoden oder erhobenen Daten, wird diskutiert. Abschließend wird die Bedeutung der Ergebnisse untersucht, sowie ein praktischer Bezug hergestellt. (Ritschi 2016, S.285)
Goldenstein et al. (2018, S.156ff) teilen den Diskussionsteil nochmal separat für verschieden Arten von wissenschaftlichen Arbeiten auf:
* Theoretisch - Konzeptionelle Arbeiten
* Literaturübersichtsarbeiten
* Empirisch - Quantitative Arbeiten
* Empirisch - Qualitative Arbeiten
#### Theoretisch - Konzeptionelle Arbeiten
Bei diesen Arbeiten soll die Diskussion in erster Linie die gewonnenen Ergebnisse komprimiert wiedergeben bzw. wird gezeigt, welche Problemstellungen mit dieser Arbeit behandelt werden können. Auch die Erweiterung bzw. Konkretisierung bereits bestehender Theorien wird dargelegt.
#### Literaturübersichtsarbeiten
Bei Literaturübersichtsarbeiten steht die Beantwortung der Forschungsfrage in der Diskussion im Vordergrund.
#### Empirisch - Quantitative Arbeiten
Bei dieser Art von Arbeit werden zunächst die ausgearbeiteten Ergebnisse mit dem Theorieteil verglichen. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass nicht alle Hypothesen bestätigt werden. Dabei ist es jedoch wichtig, die Gründe für die Diskrepanz zu diskutieren. Einerseits kann es sein, dass eine mangelnde Datenerhebung zu den Differenzen führt, andererseits (bei korrekter und ausreichender Datenerhebung) ist eventuell auch die Theorie anzuzweifeln. Essentiell ist es, Schwächen und Restriktionen der eigenen Arbeit zu hinterfragen und auch zu erkennen, aber auch Limitationen der Theorie kritisch zu beleuchten.
#### Empirisch - Qualitative Arbeiten
Ähnlich wie bei empirisch - quantitativen Arbeiten kann auch hier bei korrekter Datenerhebung und gleichzeitiger Wiederlegung der Hypothese, die Theorie hinterfragt werden. Aber die Schwierigkeit liegt darin, die Ergebnisse adäquat einordnen und deuten zu können. Dabei bieten Goldenstein et al. (2018, S.158f) folgende Hilfsfragestellungen an:
*“(1) Wie lassen sich Ihre Ergebnisse vor dem Hintergrund des theoretischen Rahmens
interpretieren? Hier ordnen Sie Ihre Ergebnisse ihrem inhärenten Sinn
nach in ein bereits bestehendes Theoriegebäude ein.*
*(2) Welche Ergebnisse lassen sich nicht in den theoretischen Rahmen einordnen?
(Dies sind die interessantesten Befunde!)*
*(3) Wie lassen sich die Ergebnisse schematisch, z. B. in einem Modell, abbilden?
Hier leisten Sie die bedeutsame Integration Ihrer Ergebnisse in einem in sich
schlüssigen Rahmen, der beispielsweise die Grundlage für nachfolgende quantitative
Arbeiten darstellen kann.*
*(4) In welchen Punkten müssen bestehende theoretische Grundlagen ergänzt oder
überdacht werden? Dies heißt beispielsweise die folgenden Fragen zu beantworten:
Welche weiteren Konstrukte sollten zusätzlich in eine Theorie integriert
werden? Welche bestehenden Konstrukte sollten weiter ausdifferenziert
werden? Was widerspricht bestehenden theoretischen Grundannahmen?“*
## Conclusio
Eine Conclusio ist eher als optional anzusehen und muss nicht zwingend verfasst werden. Dabei wird ein abschließendes, kurz gehaltenes Fazit verfasst, wobei hier bei Hochschulen als auch bei wissenschaftlichen Artikeln unterschiedliche Vorgaben herrschen. (Ritschi 2016, S.285)
Bei der Conclusio ist es hilfreich, sich in ein Gespräch mit einem nicht-Wissenden hineinzuversetzen, und in wenigen Sätzen zu erklären, was man genau in der Arbeit behandelt und ausgearbeitet hat. Genau auf dieser Ebene sollte man seine Arbeit nochmals zusammenfassen und die gewonnenen Erkenntnisse aufzeigen. Wichtig dabei ist, dass man ohne Vorkenntnisse in der Lage sein sollte, durch das Lesen des Schlusskapitels, zu verstehen was genau ausgearbeitet wurde. (Bergener et al. 2018, S.39)
In den folgenden Abschnitten werden Beispiele angeführt, die auf folgender vorwissenschaftlichen Arbeit basieren:
> S. Rejak, “Auswirkungen der Wasserprivatisierung in armen Ländern der Erde”, Baden, Februar 2018.
Die Zielsetzung der Arbeit ist wie folgt definiert:
> Das Ziel der Arbeit ist es, die Folgen einer privaten Wasserversorgung sowie einer privaten Nutzung von Wasserquellen durch Konzerne objektiv zu erläutern.
## Zusammenfassung der Ergebnisse
[Video](https://youtu.be/_vzDRPiwmQA?t=35s){for-image=false}
Im Schlusskapitel werden zunächst die wichtigsten inhaltlichen Ergebnisse des Hauptteils zusammengefasst. Das kann durchaus redundant zu den Ergebnissen in den einzelnen Kapiteln des Hauptteils sein, sollte jedoch entsprechend umformuliert werden. In diesem Teil soll auch nochmal Bezug auf die vorgestellte Fragestellung bzw. Zielsetzung genommen werden, um die Arbeit abzurunden. Im Beispiel werden im Schlussteil unter anderem nochmal kurz alle negativen Auswirkungen der privaten Wasserversorgung aufgezählt:
> Wasserversorgungen, die von privater Hand übernommen wurden, entpuppten sich in einigen Fällen jedoch zumeist als unvorteilhaft. Als eine der verheerendsten Auswirkungen, speziell auf die Bevölkerung armer Länder, sind die erhöhten Wasserpreise zu erwähnen. Des Weiteren wurde die Qualität des Trinkwassers wider den Erwartungen der Weltbank und anderer Institutionen nicht verbessert, sondern eher verschlechtert.
Um nochmal auf die vorgestellte Zielsetzung in der Einleitung zu referenzieren, könnte folgende Stellungnahme angeführt werden:
> Eine private Wasserversorgung sowie eine private Nutzung von Wasserquellen hat daher wirtschaftliche als auch politische Folgen.
## Limitationen
[Video](https://youtu.be/_vzDRPiwmQA?t=1m36s){for-image=false}
Optional kann im Schlusskapitel diskutiert werden, was im Laufe des Arbeitsprozesses anders gemacht hätte werden sollen. Beispielsweise, ob gewisse Aspekte im Hauptteil zu detailliert oder zu abstrakt behandelt wurden. Bei empirischen Arbeiten könnte beispielsweise thematisiert werden, ob die Probandenauswahl geeignet war. Bei einer Literaturanalyse könnten in bestimmten Bereichen mehr Quellen von Vorteil gewesen sein, um sich die Breite des Forschungsfeldes besser anzusehen. Zusätzlich können auch Schwierigkeiten beim Schreiben beschrieben werden. Außerdem können auch alternative Erklärungen für die Ergebnisse und die Gültigkeit außerhalb des Anwendungsbereiches offengelegt werden. Auch grobe Unterschiede zwischen Stichprobe und realer Population oder ergebnisverzerrende Variablen (oder nicht kontrollierbare Variablen) bzw. Umstände können angeführt werden. (Ritschi et al. 2016, S.285)
In Bezug auf das Beispiel könnte diesbezüglich folgendes angeführt werden:
> Die Folgen einer Privatisierung der Wasserversorgung wurde vorwiegend in ärmeren Ländern analysiert. Diesbezüglich wäre eine genauere Untersuchung der privaten Wasserversorgung in westlichen Ländern vorteilhaft gewesen, um einen globalen Vergleich zu zeigen.
## Future Work
[Video](https://youtu.be/_vzDRPiwmQA?t=2m20s){for-image=false}
Im letzten Teil können noch offen gebliebene Fragen oder im Zuge des Arbeitens neu aufgetauchte Fragen diskutiert werden. Dadurch sollen Anknüpfungspunkte für zukünftige Arbeiten geschaffen werden. Im Beispiel wurde diesbezüglich folgende offene Frage festgehalten:
> Aufgrund fehlender Forschung bleibt der tatsächliche ausschlaggebende Faktor für die Wasserprobleme jedoch nach wie vor ungeklärt.
## Quellen
Goldenstein J., Hunoldt M., Walgenbach P. (2018) Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten. In: Wissenschaftliche(s) Arbeiten in den Wirtschaftswissenschaften. Springer Gabler, Wiesbaden
Bergener K., Clever N., Stein A. (2019) Die Arbeit und wie sie zu schreiben ist. In: Wissenschaftliches Arbeiten im Wirtschaftsinformatik-Studium. Springer Gabler, Berlin, Heidelberg
Oehlrich M. (2019) Wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben. Springer Gabler, Berlin, Heidelberg
Ritschi V., Weigl R., Stamm T. (2016) Wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben. Springer Gabler, Berlin, Heidelberg
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